Nvidia erhöht seine Investitionen in künstliche Intelligenz in Europa und kündigte Unterstützung für vier deutsche Start-ups an, während Deutschland seine Stellung bei industrieller KI stärken will. Die Investitionen sind Teil der Zusage des US-Chipherstellers, knapp 10 Mrd. Dollar in europäische Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu investieren. Der Plan wurde am Montag am Invest in Germany Summit in Berlin angekündigt.
Die vier ausgewählten Start-ups sind Agile Robots, Avelios Medical, Mirelo und Reflex Aerospace. Agile Robots entwickelt KI-gestützte Roboter für Industrie, Logistik und Gesundheitswesen. Avelios Medical erstellt KI-gestützte Software für die Krankenhausverwaltung. Mirelo entwickelt KI-Modelle, die Audio für Videos erzeugen, und Reflex Aerospace entwirft und baut Satelliten. Nvidia nannte keine konkreten Beträge für die geplanten Investitionen in diese Unternehmen.
Die Ankündigung fällt mit Deutschlands Bemühungen zusammen, die Einführung künstlicher Intelligenz in der Industrie zu beschleunigen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, das Land wolle bei der Integration von KI in Schlüsselbranchen führend werden. Er bezeichnete die Technologie als grosse Chance für die Volkswirtschaft und nannte Industrie, Maschinenbau und Autoindustrie als zentrale Einsatzbereiche. Auch kleine und mittlere Unternehmen forderte er auf, die bereits vorhandenen Betriebsdaten zu nutzen. Unternehmen sollten ihre Türen für KI öffnen, um diese Daten zu verwenden. Merz bezeichnete sie als echtes Geheimnis und Vorteil Deutschlands.
Nvidia-CEO Jensen Huang schloss sich den Äusserungen des Kanzlers an und hob die deutsche Expertise in Industrie, Mathematik und Wissenschaft hervor. KI werde die industriellen Fähigkeiten stärken statt ersetzen und sei ein neues Werkzeug für Unternehmen. Nvidia erweitert zudem die Zusammenarbeit mit der Bundesregierung und ihrer Plattform Industrie 4.0. Diese vereint Vertreter aus Regierung, Industrie, Forschung und Wirtschaftsverbänden, um den industriellen KI-Einsatz zu beschleunigen. Die Regierung unterzeichnete mit Nvidia eine gemeinsame Absichtserklärung zur Weiterentwicklung von KI-Modellen für industrielle Anwendungen.
Zuvor hatte Siemens am selben Tag in seinem Werk in Erlangen neue, gemeinsam mit Nvidia entwickelte KI-Lösungen angekündigt. Diese Technologien könnten laut Siemens den technischen Planungsaufwand zur Produktionsvorbereitung um bis zu 85% verringern. KI-gestützte Produktionsplanung könnte die Kosten um bis zu 20% senken. Huang hatte zuvor Frankreich besucht, wo er Investitionen in vier französische Start-ups ankündigte und mit Präsident Emmanuel Macron über die KI-Entwicklung sprach. Am Mittwoch soll der Nvidia-Chef in Berlin eine Grundsatzrede halten.

