Die Aktienanalysten der Zürcher Kantonalbank, die selbst nicht kotiert ist, haben 20 Schweizer Banken und Finanzdienstleister untersucht, deren Aktien an der SIX Swiss Exchange gehandelt werden. Die am Donnerstag, 22. Oktober 2026, veröffentlichte Studie berücksichtigt die Halbjahresergebnisse sowie weitere unternehmensspezifische Entwicklungen. Die bisherigen Einstufungen als übergewichtete Sektorfavoriten, neutral oder untergewichtet bleiben unverändert. Die Studie aktualisiert jedoch die Einschätzung des operativen Umfelds und bezieht die jüngste Finanzberichterstattung ein.
Der Zeitpunkt orientiert sich am Berichtszyklus: Die meisten untersuchten Finanzinstitute legen ihre detaillierten Ergebnisse halbjährlich vor, noch vor den Zahlen der UBS zum dritten Quartal. Die Analysten Ausano Cajrati Crivelli und Daniel Regli untersuchten drei makroökonomische Faktoren, die die Branche prägen. Bei den Zinsen belastet die Nullzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank weiterhin die inländischen Banken. Die Ergebnisse des ersten Halbjahres zeigen jedoch, dass diese Auswirkungen beherrschbar bleiben. Eine etwas steilere Zinskurve und robuste Aktienmärkte liefern positive Impulse. Allfällige künftige Erhöhungen des Schweizer Leitzinses böten weiteres Potenzial. Konjunkturell zeigt sich die Schweizer Wirtschaft trotz geopolitischer Spannungen, höherer Energiepreise und Handelskonflikten widerstandsfähig. Für 2026 und 2027 wird ein klar positives Wachstum erwartet. Auf regulatorischer Ebene könnten die vom Ständerat gewünschten strengeren Eigenmittelanforderungen für UBS deren Kapitalflexibilität und Wettbewerbsfähigkeit einschränken. Als günstiger Nebeneffekt würde dies die Wettbewerbsposition der auf den Inlandmarkt ausgerichteten Banken relativ stärken.
Das Research empfiehlt sieben Finanzinstitute als übergewichtete Sektorfavoriten, geordnet nach Börsenkapitalisierung. Bei Partners Group hält die Studie die Kurskorrektur aufgrund negativer Nachrichten über Rücknahmebeschränkungen und ein langsameres Wachstum von Evergreen-Fonds für übertrieben. Trotz einer vorübergehend schwächeren Nachfrage vermögender Privatkunden wird mit weiterem Wachstum der verwalteten Vermögen gerechnet. Bei Julius Bär sehen die Analysten im Abschluss der FINMA-Untersuchung den Beginn eines neuen Kapitels, in dem sich die Bank wieder auf das Tagesgeschäft konzentrieren kann. Sie erwarten eine bessere Stimmung bei Anlegern und Mitarbeitenden, eine allmähliche Beschleunigung der Nettoneugeldgewinnung sowie attraktive Ausschüttungen an die Aktionäre durch Rückkäufe und Dividenden. Bei VZ Holding gelten die Befürchtungen, künstliche Intelligenz könnte das Geschäftsmodell beeinträchtigen, als überzogen. KI könnte vielmehr Chancen zur Ausweitung des Angebots und zur Margenverbesserung bieten, unterstützt durch ein starkes Wachstum der Beratungsmandate und eine neue Niederlassung in Berlin. Swissquote profitiert von einer wachsenden Kundenbasis und steigenden Kundenvermögen bei noch geringen Marktanteilen in der Schweiz und Europa. Die Margen werden durch bessere Zinsaussichten, eine volatilitätsbedingt höhere Kundenaktivität und diversifizierte Erträge aus dem Onlinebanking-Angebot Yuh gestützt.
Zu den weiteren übergewichteten Favoriten gehört EFG. Hervorgehoben werden die Entwicklung zu einer bedeutenden Private-Banking-Marke mit attraktivem Nettoneugeldwachstum, Effizienzgewinnen und einer verbesserten Eigenkapitalrendite nach abgeschlossenen Kostenprogrammen und beigelegten Rechtsstreitigkeiten. Bei der St. Galler Kantonalbank betont die Studie Widerstandsfähigkeit, Stabilität, ein wachsendes Vermögensverwaltungsgeschäft, eine solide Ertragslage und ein attraktives Dividendenprofil. Die Banque Cantonale de Genève bietet Wachstumspotenzial durch den Ausbau der Vermögensverwaltung, ein diversifiziertes Kreditportfolio und einen Bewertungsabschlag gegenüber vergleichbaren Instituten trotz überdurchschnittlicher Eigenkapitalrendite.
Die Hälfte der untersuchten Finanzinstitute ist neutral eingestuft. Dazu zählen die drei Kantonalbanken aus Waadt, Luzern und Thurgau sowie UBS, CFT, Cembra Money Bank, Leonteq, Liechtensteinische Landesbank, Valiant und VP Bank.
Drei Institute werden untergewichtet: Graubündner Kantonalbank, Glarner Kantonalbank und Vontobel. Die Glarner Kantonalbank steht als hypothekenorientierte Bank mit Fintech-Merkmalen aufgrund ihrer geringen Grösse und niedrigen Effizienz vor strukturellen Herausforderungen. Bei der Graubündner Kantonalbank treffen eine hohe Bewertung und ein asymmetrisches, nach unten verzerrtes Chancen-Risiko-Profil auf eine hängige Klage von Remo Stoffel mit einem Streitwert von CHF 400 Mio. bis CHF 600 Mio. Bei Vontobel leidet das Asset Management weiterhin unter Mittelabflüssen. Die Analysten sehen zudem Verbesserungspotenzial beim Kostenmanagement.

