Deutsche Börse erzielte im dritten Quartal ein zweistelliges Wachstum, unterstützt durch eine starke Entwicklung ihrer Finanzmarktprodukte und den anhaltenden Rückenwind höherer Zinsen. Am Dienstagabend kündigte der Konzern in Frankfurt an, seine Prognose für das Treasury-Ergebnis 2026 um weitere rund EUR 100 Mio. anzuheben. Er verwies dabei auf die Leitzinsentwicklung und höhere Barguthaben. Entsprechend hob das Unternehmen die Ziele für Nettoerlöse und operativen Gewinn leicht an.
Finanzvorstand Jens Schulte erklärte, veränderte Zinserwartungen hätten die Aktivität an den Zins- und Finanzierungsmärkten belebt und zugleich das Treasury-Ergebnis gestärkt. Erstmals seit 2024 sei das Treasury-Ergebnis gegenüber dem Vorjahr gestiegen und habe damit die erwartete Trendwende bestätigt. Schulte hob zudem einen strukturellen Trend hervor: In Europa fliesse immer mehr Kapital institutioneller und privater Anleger in kapitalmarktbasierte Anlageprodukte. Diese Dynamik führe zu steigenden verwahrten Vermögen und wachsenden Transaktionsvolumen in den Bereichen Fondsdienstleistungen und Wertpapierdienstleistungen. Dank ihrer Infrastruktur entlang der gesamten Wertschöpfungskette sieht sich die Finanzgruppe gut aufgestellt, um langfristig von diesen Entwicklungen zu profitieren, und äussert grosse Zuversicht für das Gesamtjahr.
Beim operativen Gewinn, gemessen am EBITDA, erwartet Deutsche Börse nun einen Anstieg um rund 11% auf mehr als EUR 3,9 Mrd. Zuvor hatte das Unternehmen mehr als EUR 3,8 Mrd. prognostiziert. Die Prognose für die Nettoerlöse wurde auf mehr als EUR 6,5 Mrd. angehoben, was einem Zuwachs von rund 8% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Erlösziele ohne die Effekte steigender Zinsen wurden bestätigt. Im dritten Quartal stiegen die Nettoerlöse dank struktureller Trends und eines unterstützenden zyklischen Marktumfelds um 13% auf EUR 1,63 Mrd. Sechs von acht Geschäftsbereichen erzielten zweistellige Wachstumsraten. Der operative Gewinn legte um 16% auf EUR 978 Mio. zu und übertraf die Erwartungen der Experten.
Die Aktie des Unternehmens gewann nach der nachbörslichen Mitteilung auf der Handelsplattform Tradegate zunächst fast ein Prozent auf EUR 311,40 und näherte sich damit dem am Montag erreichten Rekordhoch von EUR 312,20. Anschliessend setzten Gewinnmitnahmen ein und drückten den Kurs leicht unter den Xetra-Schlussstand. Seit Jahresbeginn ist der Titel um rund 38% gestiegen und zählt damit zu den stärksten Werten im DAX in diesem Zeitraum. Im Jahr 2025, dem ersten Amtsjahr von Konzernchef Stephan Leithner, hatte der Aktienkurs stagniert. Seit Leithner Anfang 2025 die alleinige Konzernführung übernahm, ist die Börsenkapitalisierung um fast 40% auf EUR 57 Mrd. gestiegen. Damit ist Deutsche Börse das wertvollste Unternehmen am Finanzplatz Frankfurt, vor Deutsche Bank mit EUR 54 Mrd.
Deutsche Börse bietet Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Finanzmarkttransaktionen an, von Handelsausführung und Clearing über Wertpapierverwahrung bis zu Marktdaten und Softwarelösungen. Der Konzern hat sein Geschäft über die traditionellen Aktienmärkte hinaus erweitert, um die Abhängigkeit von Marktschwankungen zu verringern. Damit setzt er die Übernahmestrategie des früheren Konzernchefs Theodor Weimer fort. Leithner hält an diesem Expansionskurs fest und schloss dieses Jahr die vollständige Übernahme des US-Daten- und Indexanbieters ISS Stoxx für EUR 1,1 Mrd. ab. Im Januar kündigte das Unternehmen die geplante Übernahme der Fondsplattform Allfunds für etwas mehr als EUR 5 Mrd. an. Es wäre der grösste Zukauf der Unternehmensgeschichte. Der Abschluss wird vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen 2027 erwartet. Finanziert werden die Übernahmen aus dem operativen Cashflow sowie durch die Emission einer nachrangigen Anleihe und einer Wandelanleihe im September mit einem Volumen von jeweils rund EUR 600 Mio.

