Nach einem starken Frühjahr, in dem der Baustoffkonzern die Rückschläge des Winters ausgleichen konnte, dürfte das Geschäft in den Sommermonaten deutlich an Schwung gewonnen haben. Finanzanalysten erwarten, dass die Geschäftsleitung bei der Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal am Freitag, 23. Oktober, den angehobenen Jahresausblick bestätigt. Die von AWP zusammengetragenen Marktschätzungen rechnen mit einem Nettoumsatz von 4,57 Mrd. Franken, einer EBIT-Marge von 20,8% und einem Betriebsgewinn von 949 Mio. Franken. Grundlage sind die Konsensschätzungen von zehn Teilnehmern.
Marktbeobachter erwarten eine deutliche Beschleunigung des Geschäfts mit zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz und wiederkehrendem Betriebsgewinn. Das organische Wachstum wird auf rund 5% geschätzt, während Konsolidierungseffekte etwa 7% beitragen dürften. Zudem hat sich die Währungsentwicklung als unterstützend erwiesen: Der Schweizer Franken wertete im Berichtszeitraum gegenüber dem Euro und dem Dollar ab, nachdem er zuvor belastet hatte.
Die Preisanpassungen im Sommer dürften den Anstieg der Inputkosten übertroffen haben. Im europäischen Kerngeschäft zeigte sich ein gemischtes Bild. Anhaltendem Gegenwind in wichtigen Märkten wie Frankreich und dem Vereinigten Königreich standen eine sichtbare Erholung in Deutschland sowie stetiges Wachstum in Griechenland und Osteuropa gegenüber. CEO Miljan Gutovic erklärte Ende Juli, die finanziellen Auswirkungen der sommerlichen Hitzewellen seien vernachlässigbar gewesen. Waldbrände hätten den Betrieb in Frankreich und Spanien bis dahin noch nicht beeinträchtigt.
Das Geschäft in Lateinamerika expandierte kräftig. Nordafrikanische Märkte trieben das Wachstum in der gesamten Region Asien, Naher Osten und Afrika und glichen den anhaltenden Rückgang in China aus. Anpassungen des Unternehmensportfolios trugen wesentlich zum Umsatzwachstum bei. Übernahmen wie Cementos Pacasmayo in Peru und Xella in Deutschland kompensierten die Veräusserungen in Nigeria, Jordanien und im Irak. Die Integration von Pacasmayo belastet die Marge zunächst etwas, da das Unternehmen weniger profitabel ist als die veräusserten Aktivitäten in Nigeria. Aus dieser Transaktion erwartet die Geschäftsleitung bis zum dritten Jahr Synergien von rund 40 Mio. Dollar.
Holcim baut seine Präsenz in Kolumbien zudem durch die Übernahme von Baulösungsaktivitäten von Cemex aus. Diese Einheiten dürften 2026 einen Nettoumsatz von rund 360 Mio. Dollar erzielen und bereits im ersten Jahr den Gewinn je Aktie erhöhen. In Deutschland vereinbarte das Unternehmen die Übernahme von Fermacell für EUR 840 Mio. Der Hersteller von Wand-, Boden- und Brandschutzplatten rechnet für 2026 mit einem Umsatz von rund EUR 430 Mio. und für das kommende Jahr mit einem EBITDA von etwa EUR 90 Mio. Bis zum dritten Jahr werden zudem jährliche Synergien von rund EUR 22 Mio. erwartet.
Nach einem robusten ersten Halbjahr hob die Geschäftsleitung ihre Jahresprognosen früher als üblich an. Der Konzern strebt nun ein organisches Nettoumsatzwachstum von rund 5% an, nach zuvor 3 bis 5%, sowie einen Anstieg des Betriebsgewinns um etwa 10%, nach zuvor 8 bis 10%. Die entsprechende Marge dürfte sich weiter verbessern, unterstützt durch erwartete Auftragseingänge aus einem grossen deutschen Infrastrukturprogramm im zweiten Halbjahr. Die Geschäftsleitung hält am Ziel eines freien Cashflows von rund CHF 2 Mrd. fest und strebt bei rezyklierten Abbruch- und Baumaterialien ein Wachstum von mehr als 20% an.
Die Aktie geriet zu Jahresbeginn nach dem geopolitischen Konflikt im Iran und vorgeschlagenen Reformen des Emissionshandelssystems der Europäischen Union unter Druck. Im September folgte ein breiterer Rückgang bei zyklischen Baustoffwerten. Mit einem jüngsten Kurs von rund CHF 64,62 liegt der Titel weiterhin nahe dem Anfang März erreichten Jahrestief von CHF 60 und verzeichnet seit Jahresbeginn ein Minus von 17%.

