Die Schweizer Börse legte am Freitag trotz schwacher Auslandsmärkte zu. Der SMI schloss auf einem Rekordhoch. Gefragt waren defensive Aktien, angeführt vom Lebensmittelhersteller Nestlé, der mit einem Plus von 2,3% die Gewinnerliste anführte. Givaudan stieg um 1,5%, Swiss Re um 1,7%. Auch die Pharmaschwergewichte Novartis und Roche legten um 1,1% beziehungsweise 0,4% zu. Zusätzliche Nachfrage gab es bei Galderma mit einem Plus von 1,7%, Alcon mit 0,6% und Lonza mit 0,5%.
Schweizer Technologiewerte fielen dagegen unisono. Belastend wirkten schwache Vorgaben aus dem US-Technologiesektor und anhaltende Sorgen über den Logitech-Ausblick für das wichtige Weihnachtsquartal. Logitech verlor 4,1% und führte die Branchenverlierer an. Die Technologieschwäche an der Wall Street drückte auch ABB um 3,3% nach unten. Am breiten Markt verloren VAT 5,0%, Belimo 2,9%, AMS Osram 6,3%, Inficon 6,5%, Comet 8,0% und Huber+Suhner 4,5%. Ob die Schwäche im US-Technologiesektor anhält, dürfte sich in der folgenden Woche zeigen. Einige amerikanische Kommentatoren meinten, das Schlimmste könnte vorüber sein, weil die Portfolioanpassungen institutioneller Kunden zum Monatsende abgeschlossen seien und rasche Ausverkäufe tendenziell bessere Bodenbildungen ermöglichten als schleichende Rückgänge.
Bei den Einzelwerten sprang Landis+Gyr nach den am Vorabend veröffentlichten Halbjahreszahlen um 10,1% nach oben. Diese zeigten trotz sinkenden Umsatzes eine höhere Marge und einen entsprechend angehobenen Jahresausblick. Barry Callebaut gewann 4,1%. Swissquote verlor dagegen 3,4%, belastet durch Berichte über einen Cyberangriff auf die Kryptobörse Binance, bei dem Kryptowährungen im Wert von mehr als USD 6 Mrd. gestohlen worden seien.
In den USA steuerte Intel nach einem negativ aufgenommenen Ausblick, der branchenweite Verkäufe auslöste, auf den grössten Tagesverlust der Unternehmensgeschichte zu. Die Aktie des US-Chipherstellers brach um bis zu rund 30% ein. Damit drohte ein Verlust von mehr als USD 137 Mrd. an Börsenwert. Die Konkurrenten AMD und Nvidia verloren bis zu 10%. Auch Serverhersteller wie Dell und europäische Schwergewichte wie ASML gerieten unter Druck. Matt Britzman, Chefanalyst bei Hargreaves Lansdown, erklärte, das aktuelle Marktmotto laute: erst verkaufen, später Fragen stellen. Intel warnte nach einem Unfall in einer israelischen Fabrik vor Umsatzeinbussen im dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich. Finanzchef David Zinsner erklärte zudem, der Cashflow werde im Gesamtjahr negativ ausfallen.
Der Nasdaq 100 weitete seine Verluste aus und sank nach gut einer Handelsstunde um 2,9% auf 28'557 Punkte, den tiefsten Stand seit Anfang August. Der Index drehte auf Wochensicht ins Minus und baute seinen Oktoberverlust auf rund 6% aus. Weniger technologielastige Indizes hielten sich besser: Der breite S&P 500 verlor 1,5% auf 7'606 Punkte, der Dow Jones Industrial Average 0,6% auf 52'007 Punkte. Experten der DZ Bank erklärten, die Berichtssaison sei zwar ordentlich verlaufen, die Ergebnisse im US-Technologiesektor, insbesondere bei den Magnificent 7, hätten jedoch weniger überzeugt. Gute Zahlen allein reichten nicht mehr aus, da hohe KI-Investitionen und die Cashflow-Entwicklung für Unterschiede sorgten. Amazon verlor zeitweise bis zu 6%, begrenzte das Minus aber auf 2,4%. UBS-Experte Stephen Ju verwies auf enttäuschende Umsatzzahlen der Cloud-Sparte AWS und hohe KI-Ausgaben. Sandisk gab trotz eines starken Zwischenberichts und hoher Ziele 10% nach. Bei den Nebenwerten erlitten die Internetaktien Roblox und Reddit wegen enttäuschender Nutzerentwicklung zweistellige prozentuale Verluste. Reddit verlor ein Viertel seines Börsenwerts.
Positive Kursbewegungen waren selten und konzentrierten sich auf defensive Branchen. Im Pharmasektor sprang Regeneron um 11% nach oben, Konkurrent Gilead gewann 3,4%. Lebensmittelhersteller Mondelez legte nach soliden Ergebnissen um mehr als 3% zu. Elektroautohersteller Rivian war mit einem Plus von 5% eine positive Ausnahme im Technologiesektor. Überraschend gute Umsatzzahlen und eine eingeengte Absatzprognose führten zu einer Kaufempfehlung von Jefferies. Die Ölkonzerne Chevron und Exxon stiegen nach ihren Quartalsberichten jeweils um 1,8%. Chevron profitierte von deutlich höheren Rohölpreisen und gestiegenen Raffineriemargen.

