Markets-Desk·im Tagesverlauf aktualisiert
Unternehmen/UnternehmenArtikel

Gründer und Umbau eröffnen Partners Group neue Perspektiven

Zürcher Spezialisten für die Suche nach Führungskräften sehen in strukturellen Veränderungen und der Mitwirkung der seit Langem aktiven Gründer eine zentrale Chance für Partners Group angesichts des aktuellen Gegenwinds am Markt.

Redaktion Helvetic Markets · 12 Oct 2026 · 06:00 · 4 Min. Lesezeit
Teilen
Gründer und Umbau eröffnen Partners Group neue Perspektiven
Photo: Unknown author / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0 de

Seit der Gründung 1996 hat sich Partners Group zu einem globalen Privatmarktunternehmen mit verwalteten Vermögen von 186 Mrd. Dollar entwickelt und zählt damit zu den grossen Erfolgsgeschichten des Schweizer Finanzplatzes. Im laufenden Jahr ist das Unternehmen jedoch unter Druck geraten. Sorgen um das Geschäft mit Evergreen-Fonds, ein schwächeres Ergebnis und ein deutlicher Kursrückgang belasteten das Vertrauen der Anleger. Im September kündigte Partners Group einen Wechsel in der operativen Führung an: Roberto Cagnati und Juri Jenkner sollen Anfang 2027 als Co-CEOs übernehmen, während der bisherige CEO David Layton die Funktion des Anlagechefs übernimmt.

Für Klaus Biermann und Jonas Neff von der Zürcher Personalberatungsfirma BiermannNeff ist diese Entwicklung weit mehr als eine routinemässige Personalrochade. Sie sehen darin eine Gelegenheit, Strukturen anzupassen und das Unternehmen wieder auf seine ursprünglichen Stärken auszurichten. Ihrer Einschätzung nach gehen einige der aktuellen Herausforderungen direkt auf den enormen Erfolg der vergangenen Jahre zurück. Partners Group expandierte sehr schnell und baute zusätzliche Führungsebenen und Strukturen auf, wodurch einige Geschäftsbereiche einen Teil ihrer ursprünglichen unternehmerischen Direktheit einbüssten. Klaus Biermann zieht bewusst einen Vergleich: Durch die zunehmende Zahl von Hierarchieebenen, interne Politik und unklare Verantwortlichkeiten habe Partners Group in gewissen Bereichen bürokratische Züge entwickelt.

Biermann bewertet die entschlossenen Gegenmassnahmen des Unternehmens positiv, weist aber darauf hin, dass ein solcher Umbau dazu führen kann, dass sehr gute Führungskräfte und Spezialisten die Organisation verlassen. Entscheidend sei, dass die Organisation einfacher, direkter und wirksamer werde. Für die Personalberater sind diese Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt unmittelbar spürbar, da Führungskräfte und Spezialisten des Unternehmens offener für Gespräche über ihre Karriere sind. Jonas Neff bezeichnet die Qualität dieser Fachleute auf dem Arbeitsmarkt als aussergewöhnlich hoch, wodurch für andere Finanzinstitute ein wertvoller Talentpool entsteht. Da der Markt für vergleichbare Positionen auf höheren Hierarchieebenen kleiner ist, benötigen Personen, die eine neue Stelle suchen, eine gewisse Flexibilität bei Tätigkeitsfeldern und Vergütung.

Dieser Wandel spiegelt einen breiteren Strukturwandel wider, während sich die Privatmarktbranche institutionalisiert. Neue Anbieter drängen auf den Markt, etablierte globale Häuser bauen ihre Plattformen aus, und der Wettbewerb um Kundengelder verschärft sich. Klaus Biermann stellt fest, dass der Markt zwar weiter wächst, der gesamte Kuchen aber auf mehr Anbieter verteilt wird. Weitere kritische Anmerkungen der Personalberater betreffen die geografische Distanz der Führung zum Hauptsitz. Ein CEO oder eine zentrale Führungsperson müsse dort ausreichend präsent sein, wo Herz und Seele des Unternehmens liegen, insbesondere wenn die Kultur stark von den Gründern geprägt ist.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der bevorstehende Führungswechsel zusätzlich an Bedeutung: Cagnati und Jenkner sind beide langjährige Manager des Unternehmens, und Layton bleibt als Anlagechef aktiv. Klaus Biermann und Jonas Neff sehen die entscheidende Stärke von Partners Group in den Unternehmern hinter der Firma. Die Mitgründer Alfred Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach sind weiterhin als exekutive Mitglieder im Verwaltungsrat vertreten. Steffen Meister, der 2000 zu Partners Group stiess und von 2005 bis 2013 als CEO amtierte, ist exekutiver Verwaltungsratspräsident. Biermann hält diese Kontinuität für wesentlich, weil die Gründer und langjährigen Führungskräfte die Unternehmenskultur und deren DNA genau kennen und zugleich über die nötige Distanz und Erfahrung verfügen, um Entwicklungen kritisch zu hinterfragen und notwendige Veränderungen voranzutreiben.

Der Transformationsprozess dürfte mehrere Jahre dauern. Operativ steht Partners Group nicht vor einem Zusammenbruch: Im ersten Halbjahr 2026 sammelte das Unternehmen 16 Mrd. Dollar ein. Die Managementerträge stiegen währungsbereinigt um 12%, und die EBITDA-Marge blieb mit 63% hoch, obwohl die erfolgsabhängigen Gebühren deutlich zurückgingen. Grosse jüngste Kapitalaufnahmen verdeutlichen den Umfang des Geschäfts. Dazu gehören der im Juli erfolgte Abschluss eines vierten Programms für direkte Infrastrukturinvestitionen mit mehr als 15 Mrd. Dollar und ein Programm für Infrastruktur-Sekundärmarktinvestitionen mit über 5,5 Mrd. Dollar.

Biermann betont, dass eine der zentralen Herausforderungen in der Wahrnehmung und im Vertrauen institutioneller Anleger liegt und weniger im operativen Geschäft insgesamt. Wenn Führungsgremien beginnen, die Risiken der Produkte von Partners Group zu hinterfragen, wird die Marke selbst zum zentralen Thema. Sichtbare Klarheit und die Wiederherstellung des Vertrauens sind dann entscheidend. Insgesamt bietet die Kombination aus Gegenwind am Markt, erfahrenen Gründern und der Bereitschaft zum Umbau dem Unternehmen nach Einschätzung der beiden Personalberater eine echte Chance, aus dieser Phase gestärkt hervorzugehen.

Quelle: finews.ch

Dieser Artikel wurde vom Markets-Desk von Helvetic Markets mit KI-Unterstützung erstellt.
Artikel teilen