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Ökonom sieht Wegzug von Banken aus Zürich als positive Entwicklung

Während Parteien nach dem Wegzug von Vontobel und Cembra aus Zürich vor einem geschwächten Wirtschaftsstandort warnen, sieht Ökonom Mathias Binswanger eine Dezentralisierung und Entlastung bei den Immobilien.

Redaktion Helvetic Markets · 10 Oct 2026 · 06:00 · 2 Min. Lesezeit
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Ökonom sieht Wegzug von Banken aus Zürich als positive Entwicklung
Photo: Ank Kumar / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Innerhalb kurzer Zeit kündigten zwei Banken an, die Stadt Zürich zu verlassen: Cembra und Vontobel. Dadurch verliert die Stadt rund 1'850 Arbeitsplätze. Parteien wie FDP, Die Mitte und SVP schlagen Alarm, Zürich verliere als Wirtschaftsstandort den Anschluss. Die Stadtregierung hält dagegen, Zürich habe kein grundlegendes Standortproblem. Seit den Ankündigungen hält die Kritik an der Verwaltung an. Verstärkt wird sie dadurch, dass der Kanton Zürich bei der Unternehmensbesteuerung unter allen Kantonen auf dem letzten Platz liegt, was die Sorge vor einer Negativspirale schürt. Immobilienexperte Daniel Stocker von Jones Lang LaSalle erklärte in einem Interview zu Wochenbeginn, er rechne mit weiteren Wegzügen.

Der 63-jährige Ökonom Mathias Binswanger sieht die Lage dagegen deutlich gelassener. Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, erklärte, der Wegzug von Banken aus Zürich sei keine schlechte Nachricht. Häufig werde die Zentralisierung beklagt, bei der sich alles in den grossen Zentren ballt, während die Peripherie verliert. Solche Verlagerungen seien deshalb willkommen. Während früher Industrieunternehmen aus den Zentren wegzogen, verlagern nun auch Dienstleister wie die beiden Banken ihren Standort: Cembra zieht nach Baden im Kanton Aargau, Vontobel nach Baar im Kanton Zug. Binswanger wies darauf hin, dass das traditionelle Kundengeschäft und die Bankschalter stark an Bedeutung verloren haben. Eine direkte Präsenz nahe bei den Kunden in den grossen Zentren ist für die Unternehmen damit weniger entscheidend.

Laut Binswanger bieten die Wegzüge einen weiteren Vorteil, indem sie den enormen Druck auf die Immobilienpreise in Zürich verringern. Derzeit kommen in Zürich auf 100 Stadtbewohner 126 Arbeitsplätze. Daraus entsteht ein grosser Nachfrageüberhang nach Wohnraum, der die Mieten nach oben treibt. Würde Zürich stark in die Standortattraktivität investieren, wie es bürgerliche Politiker fordern, würde der Druck auf den Wohnungsmarkt weiter steigen. Dies erkläre vermutlich die Zurückhaltung der Stadtregierung. Zudem flössen die Steuereinnahmen trotz des Wegzugs zahlreicher Firmen dank florierender Grossunternehmen weiterhin reichlich, so Binswanger.

Laut Binswanger stossen Unternehmen in Zürich auch an Wachstumsgrenzen, wenn sie deutlich expandieren oder Mitarbeitende an einem grossen Standort zusammenführen wollen, wie es bei Vontobel der Fall war. Binswanger erklärte, Steuern seien bei der Standortwahl nicht der einzige entscheidende Faktor, da auch die Attraktivität als Wohnort zähle. Er hob hervor, dass die persönliche Steuerbelastung des Topmanagements eine noch grössere Rolle spiele als die Unternehmensbesteuerung. Zudem zeigten Firmenverlagerungen, dass der Schweizer Standortwettbewerb wirksam funktioniere. Die Zürcher Regierung scheine derzeit unbesorgt. Sollten jedoch irgendwann zu viele Unternehmen wegziehen, würde sich diese Haltung laut Binswanger wohl rasch ändern.

Quelle: cash.ch — Top News

Dieser Artikel wurde vom Markets-Desk von Helvetic Markets mit KI-Unterstützung erstellt.
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