Lufthansa hat laut mit der Angelegenheit vertrauten Quellen den Zuschlag für einen Anteil von 44,9% an der portugiesischen Fluggesellschaft TAP erhalten und sich gegen Air France-KLM durchgesetzt. Die Regierung in Lissabon beschloss den Schritt im Kabinett. Das Infrastrukturministerium lehnte einen Kommentar ebenso ab wie Lufthansa und Air France-KLM.
Portugal will die während der Corona-Krise 2020 verstaatlichte Fluggesellschaft teilweise privatisieren und startete den Prozess im Juli 2025 neu. Air France-KLM und Lufthansa reichten im September ihre endgültigen Angebote ein, nachdem die portugiesische Regierung von beiden Interessenten Verbesserungen verlangt hatte. Nach Angaben der Regierung muss die Fluggesellschaft Teil eines Luftfahrtkonzerns werden, weil das EU-Beihilferecht weitere staatliche Unterstützung untersagt.
Für Lufthansa sind die Verbindungen nach Lateinamerika, insbesondere Brasilien, besonders interessant. Der Konzern hatte erklärt, Lissabon als Drehkreuz stärken und die nationale Identität der TAP wie bei anderen Konzerntöchtern erhalten zu wollen. Auch die Verbindungen ins portugiesischsprachige Afrika und in die USA machen TAP attraktiv.
Ende Juni betrieb TAP eine aktive Flotte von 101 Flugzeugen mit 93 Zielen weltweit, davon 52 in Europa, 16 in Mittel- und Südamerika, 14 in Afrika und 11 in Nordamerika. Im ersten Halbjahr 2026 beförderte TAP mit 8,2 Mio. Passagieren so viele wie nie zuvor. Der Betriebsumsatz stieg um 4,3% auf ebenfalls rekordhohe 2,04 Mrd. Euro. Der Nettoverlust im ersten Halbjahr weitete sich jedoch hauptsächlich wegen höherer Kerosinkosten von 70,7 Mio. Euro im Vorjahr auf 99,2 Mio. Euro aus.

