Klinische Rückschläge im Pharmasektor lösen häufig nervöse Verkäufe durch Anleger aus. Nach zwei enttäuschenden Studienergebnissen in Folge erlitten die Aktien von Novartis einen zweistelligen Rückgang – eine extreme Bewegung für ein Unternehmen im Leitindex. Die schlechten Nachrichten aus Basel zogen den Schweizer Leitindex deutlich ins Minus und entfachten erneut die Diskussion über Konzentrationsrisiken in Portfolios und den allgemeinen Nutzen des Swiss Market Index. Roche unter der Führung von Thomas Schinecker, Novartis unter Vas Narasimhan und Nestlé unter Philipp Navratil stellen zusammen 47,4% des Leitindex.
Institutionelle Anleger, denen Vorschriften Investitionen in stark konzentrierte Indizes untersagen, greifen häufig auf Alternativen zurück. Der Swiss Leader Index wurde für solche Mandate konzipiert. Er begrenzt die vier grössten Titel auf jeweils neun Prozent und damit auf die Hälfte des im Leitindex zulässigen Höchstgewichts. Zwar übertraf der alternative Index den Leitindex zwischen 2019 und 2025 mit einer Rendite von 96% um 8%, doch 2026 änderte sich die Marktdynamik. Laut Christoph Sax, Anlagechef bei VZ VermögensZentrum, liegt der Leitindex seit Jahresbeginn trotz der Korrektur bei Novartis sowohl vor dem alternativen Index als auch vor dem breiter gefassten Swiss Performance Index. Diese relative Stärke wird durch die positive Entwicklung globaler Pharmawerte, die Erholung der Bewertung von Nestlé von einem tiefen Niveau sowie kräftige Gewinne bei UBS gestützt.
Die Schweiz steht mit ihrer hohen Marktkonzentration nicht allein da. Im dänischen OMX Copenhagen 25 Index stellen der Pharmariese Novo Nordisk, der Logistikdienstleister DSV, Danske Bank und das Windenergieunternehmen Vestas einen nahezu identischen Anteil von 47,1%. In den Niederlanden entfallen 42,3% der Marktkapitalisierung im AEX Index auf Shell, Unilever und den Halbleiterausrüster ASML. Im taiwanischen Taiex ist die Dominanz noch ausgeprägter: TSMC allein hält ein Gewicht von 41,6%. Südkoreas Kospi weist ein ähnlich technologielastiges Profil auf, wobei Samsung Electronics und SK Hynix 48,2% des Index stellen. Auch in den USA ist die Technologiekonzentration ausgeprägt. Im S&P 500 haben die drei grössten Unternehmen, die 0,6% aller Indexmitglieder ausmachen, ein Gewicht von 21%. Thomas Heller, Anlagechef bei der Frankfurter Bankgesellschaft, hält fest, dass der amerikanische Index aus dieser Perspektive tatsächlich deutlich stärker konzentriert ist als sein Schweizer Pendant.
Die Schwyzer Kantonalbank weist darauf hin, dass Indizes so konzipiert sind, dass sie Marktbewegungen abbilden, und nicht als fertige Anlageportfolios dienen sollen. Am deutlichsten zeigt sich dieser Unterschied beim Dow Jones Industrial Average, der seine Mitglieder nach dem Aktienkurs gewichtet. Bei einer entsprechenden Konstruktionsmethode in der Schweiz hätten die Namenaktien von Lindt & Sprüngli ein rund 1'100-mal höheres Indexgewicht als Nestlé, obwohl Nestlé eine etwa zehnmal höhere Marktkapitalisierung als Lindt & Sprüngli besitzt.
Christoph Sax schätzt, dass die rund 1'300 Schweizer Pensionskassen etwa CHF 60 Mrd. von insgesamt CHF 1'220 Mrd. in Roche, Novartis und Nestlé investiert haben. Dies stellt ein konkretes Konzentrationsrisiko dar. Dennoch verfügen diese Einrichtungen über internationale und breit diversifizierte Anlagen, wodurch der Einfluss grosskapitalisierter Schweizer Aktien auf das Gesamtportfolio abgeschwächt wird.

