Der Swiss Market Index stieg am Mittwoch um 1,5% auf 14'129,93 Punkte und schloss damit erstmals seit über einem Monat über der Marke von 14'000 Punkten. In der vorherigen Sitzung war der Index zunächst deutlich über diese Marke gestiegen, zum Handelsschluss jedoch wieder darunter gefallen. Marktteilnehmer verwiesen auf das Spannungsfeld zwischen soliden Unternehmensgewinnen und wachsenden Risiken durch höhere Zinsen, geopolitische Spannungen und anspruchsvolle Bewertungen im Bereich künstliche Intelligenz. Zugleich gewinnen Anleihen gegenüber Aktien wieder an Attraktivität.
Nestlé-Aktien stiegen um 2,1% auf 78,89 Franken und erholten sich damit vom Achtmonatstief von 74,40 Franken aus der Vorwoche. Lonza waren mit einem Plus von 3,4% der grösste Gewinner unter den SMI-Titeln. Der Life-Sciences-Konzern stellte an einem Kapitalmarkttag ambitioniertere Finanzziele vor und zog mit seinen neuen Margenzielen besonders die Aufmerksamkeit der Analysten auf sich. Lonza will die bereinigte EBITDA-Marge mittelfristig in den hohen Dreissigerbereich anheben. Zuvor war lediglich eine nicht näher bezifferte Margenausweitung in Aussicht gestellt worden.
Das Hautpflegeunternehmen Galderma legte nach dem Kauf der US-Hautpflegemarke Zo Skin Health für 1,5 Mrd. US-Dollar um 2,7% zu. Die Transaktion soll das Geschäft mit medizinischer Hautpflege stärken. Neue Analysteneinschätzungen sorgten ebenfalls für Bewegung. Jefferies senkte die Einstufung des Rückversicherers Swiss Re auf «Underperform» und reduzierte das Kursziel gegenüber dem bisherigen Niveau auf 110 Franken. Der Markt unterschätze den beschleunigten Preisverfall in der Rückversicherung und dessen Folgen für das Unternehmen. Swiss Re schlossen 0,2% tiefer bei 146,95 Franken. Neben Lonza verzeichneten Roche, Sandoz und Novartis Gewinne von 2,8% oder mehr. UBS verloren zum Schluss 1,6%, ABB 1,1% und Partners Group 0,7%.
Ausserhalb des SMI gewannen Bossard 3,1%, nachdem der Industriezulieferer einen höheren Drittquartalsumsatz und eine Beschleunigung des Wachstums gegenüber dem zweiten Quartal gemeldet hatte. Der Gesamtumsatz übertraf die Erwartungen, getrieben durch ein über den Prognosen liegendes Asiengeschäft und ein leicht besseres Abschneiden in Europa, wie die Zürcher Kantonalbank kommentierte. Siegfried stiegen um 2,2%, nachdem Bernstein den Pharmazulieferer in seine Liste der zehn bevorzugten europäischen Nebenwerte aufgenommen hatte und auf erhebliches Aufwärtspotenzial für das Unternehmen aus Zofingen verwies. Swisscom gewannen nach einem günstigen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts im Glasfaserstreit 1,4%, Konkurrent Sunrise legte um 0,9% zu. Adecco verloren dagegen 2,2%, nachdem Kepler die Einstufung und das Kursziel gesenkt hatte. Die Analysten verwiesen auf wachsende Risiken und eine deutliche Abschwächung in Frankreich, dem grössten Markt des Unternehmens, aufgrund politischer Unsicherheit und einer schwachen Konjunktur.
Stärker als erwartete US-Inflationsdaten hatten moderate Auswirkungen auf den Schweizer Markt und veranlassten Ökonomen zu Überlegungen über mögliche Zinsschritte der Fed. Die US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7% gegenüber dem Vorjahr, nach 3,4% im August und über der von Reuters ermittelten Konsensschätzung von 3,6%. Haupttreiber waren höhere Treibstoff- und Heizölpreise im Zusammenhang mit konfliktbedingten Entwicklungen. Die höheren Werte dämpften das Interesse an US-Aktien und belasteten technologieorientierte und zinssensitive Titel. Der Nasdaq 100 sank um 0,9% auf 30'283 Punkte, der S&P 500 um 0,7% auf 7'753 Punkte und der Dow Jones Industrial Average um 0,1% auf 51'623 Punkte.
In den USA blieben Finanzaktien im Fokus. Bank of America verloren fast acht Prozent, nachdem das US-Finanzministerium wegen Verstössen gegen Geldwäscherei- und Sanktionsvorschriften Strafen von mehr als 1,21 Mrd. Dollar verhängt hatte. Dazu gehörten unterlassene Meldungen chinesischer Geldwäschereinetzwerke. Auch die Drittquartalserträge der Bank im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen, Rohstoffen und Aktien blieben unter den Erwartungen. Morgan Stanley verloren nach dem Quartalsbericht trotz überraschend hoher Aktienhandelserträge fast drei Prozent und trugen damit zu einer schwachen Berichtssaison der Grossbanken bei. Blackrock stiegen dagegen um über ein Prozent, nachdem der weltweit grösste Vermögensverwalter im dritten Quartal Nettoneugeldzuflüsse rund 20% über den Erwartungen gemeldet hatte. IT- und Hardwaretitel wie HP Inc, Netapp und Dell Technologies verloren bis zu acht Prozent, nachdem Barclays angesichts eines schwierigen Investitionsklimas bei Unternehmen die gesamte Gruppe abgestuft hatte.
Die Ölpreise bewegten sich am Mittwoch kaum und unterbrachen ihren jüngsten Aufwärtstrend. Nordseeöl der Sorte Brent notierte bei 106 US-Dollar je Fass nahe dem Vortagesniveau. Geopolitische Ereignisse und Angriffe im Nahen Osten hatten Brent zuvor seit Monatsbeginn wegen Sorgen um Versorgungsunterbrüche um mehr als neun Prozent steigen lassen. Analysten von Morgan Stanley erklärten, die Ölexporte liefen zwar weiter, doch angesichts von Angriffen auf die Infrastruktur bleibe die Unsicherheit hoch. Die Bank erhöhte deshalb ihre Brent-Preisprognosen für das laufende und die kommenden Quartale um fünf US-Dollar je Fass.

