Ein Ölpreisschock hat die Inflation im Euroraum deutlich nach oben getrieben und bereitet der Europäischen Zentralbank Sorgen. Die Verbraucherpreise stiegen im September gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 3,8% und erreichten damit ein Dreijahreshoch. Dies geht aus Daten des EU-Statistikamtes hervor, das eine frühere Schätzung bestätigte. Die Inflationsrate im Währungsraum ist damit fast doppelt so hoch wie der EZB-Zielwert von 2,0%. Im August hatte sie bei 3,2% gelegen. Haupttreiber waren die Energiepreise, die im September gegenüber dem Vorjahr um 18,9% und gegenüber August um 4,0% stiegen.
Die Finanzmärkte rechnen damit, dass die EZB dem durch den Iran-Konflikt angeheizten Preisdruck bis Jahresende mit einer weiteren Zinserhöhung begegnet. Am Rande der Jahrestagungen von IWF und Weltbank in Bangkok erklärte Bundesbankpräsident Joachim Nagel, die EZB habe ihre Leitzinsen dieses Jahr bereits zweimal angehoben. Nagel, der auch dem EZB-Rat angehört, schliesst weitere Schritte nicht aus, falls die Lage unverändert bleibt. Angesichts eines sehr volatilen Marktumfelds sei es richtig, von Sitzung zu Sitzung zu entscheiden. Entscheidend sei, dass die Geldpolitik der Inflation mit ruhiger Hand und grosser Flexibilität begegne.
Am stärksten stiegen die Preise in Litauen mit 6,1% und Bulgarien mit 5,6%. Deutschland mit 3,3% und Frankreich mit 3,4% blieben unter dem Durchschnitt. Die EZB erwartet, dass die Gesamtinflation im Euroraum bis weit in das erste Halbjahr 2027 hinein deutlich über ihrem Ziel liegen wird, was von den Währungshütern aussergewöhnliche Wachsamkeit verlangt. Laut dem kürzlich veröffentlichten Protokoll der Septembersitzung beurteilen die Währungsbehörden die Risiken für den Inflationsausblick als aufwärtsgerichtet. Die Finanzmärkte erwarten, dass die Zentralbank die Zinsen an ihrer Sitzung Ende des Monats unverändert lässt und sie im Dezember weiter erhöht.

