Vor Vertretern des Tessiner Finanzplatzes erläuterte die FINMA ihre Sicht auf den Schweizer Finanzdienstleistungssektor mit Schwerpunkt auf Asset und Wealth Management. Ende des vergangenen Jahres betreuten Banken und Wertpapierhäuser in der Schweiz unter Vermögensverwaltungs- und Anlageberatungsmandaten Kundenvermögen von rund 2'500 Mrd. Franken. Das entspricht knapp 43 Prozent der aktiv betreuten Anlagevermögen im Land. Das Geschäft bleibt stark international geprägt: Fast jeder zweite aktiv betreute Anlagefranken stammt aus dem Ausland. Dies festigt die Stellung der Schweiz als bedeutendes globales Zentrum der grenzüberschreitenden Betreuung von Kundenvermögen. Schweizer Banken spielen eine wichtige Rolle in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung. Sie beraten Privatkunden und verwalten für diese Vermögen von knapp 370 Mrd. Franken.
Asset und Wealth Management ist eine tragende Säule des Schweizer Finanzsektors, besonders sichtbar im Tessin. Lugano zählt zu den wichtigsten Finanzzentren der Schweiz. Die Vermögensverwaltung hat dort eine lange Tradition und eine klare internationale Ausrichtung. Ende des vergangenen Jahres betreuten Tessiner Banken und Wertpapierhäuser unter Anlageberatungs- und Vermögensverwaltungsmandaten Kundenvermögen von rund 33 Mrd. Franken, wovon 70 Prozent aus dem Ausland stammten. Insgesamt betreuen Finanzinstitute im Tessin rund 95 Mrd. Franken in Form von Anlageberatung oder Vermögensverwaltung. Rund 75 Prozent dieser Vermögen stammen von internationalen Kunden.
Die FINMA verfolgt bei der Aufsicht einen ganzheitlichen Ansatz und prüft die konkrete Tätigkeit und ihre Risiken, statt allein auf die Bewilligungskategorie abzustellen. Dafür erhebt sie seit zwei Jahren sektorübergreifende Daten zum Asset und Wealth Management. Die Zahlen per Ende 2025 zeigen, dass individuelle Vermögensverwaltungsmandate und verwaltete Fondsvermögen zusammen rund 4'222 Mrd. Franken umfassen, je zur Hälfte Fondsvermögen und individuelle Vermögensverwaltungsmandate. Nach Bewilligungskategorie entfällt der grösste Anteil mit 38 Prozent auf Verwalter von Kollektivvermögen, dicht gefolgt von Banken und Wertpapierhäusern mit 32 Prozent beziehungsweise rund 1'370 Mrd. Franken. Bei Banken und Wertpapierhäusern bilden individuelle Mandate das Kerngeschäft: Rund zwei Drittel dieser Vermögen werden über individuelle Vermögensverwaltungsmandate verwaltet.
Die Überwachung dieses Sektors bleibt für die Aufsichtsbehörde prioritär. Gründe sind seine Bedeutung für Kunden und den Schweizer Finanzdienstleistungssektor sowie die damit verbundenen Risiken, etwa mögliche Verluste von Kundenvermögen und Reputationsschäden. Das Umfeld wird durch geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und politische Unsicherheit an den Finanzmärkten zunehmend anspruchsvoll. Zins- und Inflationsentwicklungen im Zusammenhang mit steigender ausländischer Staatsverschuldung bleiben zusätzliche Risikofaktoren. Gleichzeitig verändert der technologische Fortschritt Märkte, Produkte und die Prozesse der Anlageentscheidung.
Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz profitiert von grundlegenden Stärken wie politischer, wirtschaftlicher und währungspolitischer Stabilität, prinzipienbasierter Regulierung, risikobasierter und wirksamer Marktaufsicht sowie einer proportionalen Umsetzung bei den beaufsichtigten Instituten. Das Kleinbankenregime ist ein Beispiel für diesen proportionalen Ansatz und stösst bei internationalen Aufsichtsbehörden auf grosses Interesse. Der langfristige Ruf des Finanzplatzes setzt zudem voraus, dass die vertriebenen Vermögenswerte hohe Standards bei der Einhaltung nationaler und internationaler Sanktionen, der Bekämpfung der Geldwäscherei und dem Anlegerschutz erfüllen.
Wirksamer Anlegerschutz bleibt entscheidend, da ein verändertes Umfeld zu raschen Risikoverschiebungen und unerwarteten Risikoeintritten führt, verschärft durch die zunehmende Komplexität bestimmter Finanzinstrumente und Produktstrukturen. Die professionelle Vermögensverwaltung trägt unter diesen Bedingungen eine erhöhte Verantwortung, Kundenvermögen auf die jeweilige finanzielle Situation, die Anlageziele und die Risikobereitschaft abzustimmen. Im Juni veröffentlichte die FINMA eine Aufsichtsmitteilung zu Risiken beim Einsatz von Produkten in der individuellen Vermögensverwaltung. Anlass waren konkrete Fälle, die sie direkt beobachtet hatte oder die ihr von Aufsichtsorganisationen für Vermögensverwalter nach Artikel 17 des Finanzinstitutsgesetzes gemeldet worden waren.
Die Zahl solcher Fälle nahm in den vergangenen Jahren insbesondere bei Vermögensverwaltern deutlich zu. Aufsichtsorganisationen und andere Quellen eskalierten 2023 sieben solcher Aufsichtsfälle an die FINMA, 2024 waren es 32 Fälle und im vergangenen Jahr 60. Diese Zahlen betreffen ausschliesslich Vermögensverwalter nach Artikel 17 des Finanzinstitutsgesetzes und damit einen kleinen Marktteil. Sie bilden nicht die gesamte Asset- und Wealth-Management-Branche ab. Dennoch zeigt ihre Analyse wiederkehrende Risikomuster, die für alle Anbieter individueller Vermögensverwaltung relevant sind, einschliesslich Banken.

